\section{Open Source und die Gesellschaft}

Was hat sich tatsächlich geändert? Open Source/freie Software rückte in den letzten Jahren immer mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Vielleicht ist es für uns als Mitglieder dieser Community, die wir betrachten, überhaupt nicht möglich, eine Sicht "`von außen"' zu liefern -- das mag aber gerade unser Vorteil sein, können doch so die Hoffnungen, die in dieser Bewegung liegen, voll gezeigt werden. Wie stellen wir uns nun freie Software in der Öffentlichkeit vor?

Die doch sehr philosophisch begründete GPL zeigte bereits, wie mit der geschickten "`Ausnutzung"' der geltenden Gesetze, d.h. des Prinzip des geistigen Eigentums, des unaufhebbaren Copyrights, eben jenes ins Gegenteil, in das Copyleft, verkehrt werden kann. Das Recht des Autors, über sein Werk verfügen zu können und seine geistige Schöpfung (wobei dieser Begriff sicherlich diskussionswürdig ist) beliebig ausschlachten zu können, wird genutzt, um genau dieses nicht zu tun, die Informationen werden "`befreit"'. Genau wie ein gesprochenes Wort nicht zurück genommen werden kann, ist der Code, sobald er dem Copyleft unterliegt, nicht mehr aus dem öffentlichen Wissensschatz zurücknehmbar\footnote{
	Einige Ausnahmen, in denen GPL-Code vom Autor in eine andere -- unfreie -- 	Lizenz überführt wurde, bestätigen hier die Regel. Sie haben allerdings mehr 	mit den Beschränkungen, denen das Copyleft im aktuellen gesetzlichen Rahmen 	unterworfen ist, zu tun, als mit der Philosophie, die es darstellt.
}.

Die Idee, dass Informationen zwar einen Wert haben, aber prinzipiell für jedermann zugänglich sein sollten, ist nicht neu. Insbesondere in der Wissenschaft geht es gar nicht anders -- dazu später mehr. Neu hingegen ist die Hoffnung, dass sämtliche Information, die für andere einen Nutzen haben mag, ganz selbstverständlich frei wird. Das WWW hat geholfen, einen Teil dieser Vision wahr werden zu lassen: Schaue ich mir eine HTML-Seite an, habe ich automatisch auch Zugang zum Quellcode, die Information wird nicht in einer Art kompilierter Form geliefert, sondern der Quellcode selbst ist die Information. Jeder, der vor hat, eine Webseite zu gestalten, kann sich den Quellcode einer Seite, die er für besonders gut gelungen hält, ansehen und die verwendeten Ideen für sich nutzbar machen. Auch wenn der Autor sein Recht genutzt hat und durch eine entsprechende Zeile klargestellt hat, dass er die Weiterverwendung des HTML-Codes nicht wünscht, so gestattet er dennoch die Einsichtnahme in seine Ideen. Die Webautoren, die durch (leicht umgehbare) Skript-Tricks das Betrachten des Quelltexts verhindern wollen, haben das Prinzip nicht verstanden: Der Default-Zustand von Informationen im Web ist frei, erst wenn der Autor sich bewusst dafür entscheidend, werden die Informationen unfrei. %mm: FIXME

Klargestellt werden sollte an dieser Stelle, worum es bei dem Begriff Information in diesem Zusammenhang überhaupt geht: Warum ist Freeware weniger frei als freie Software, ist sie doch kostenlos und jeder darf sie benutzen? Nehmen wir an, die Software sei für die Buchhaltung gedacht und noch nicht Euro-tauglich, habe ich dann die Freiheit, alles mit dieser sogeannten "`Freeware"' zu tun, was ich will, nämlich das Programm um die Euro-Funktionen zu erweitern? Nein, natürlich nicht, weil eben die Sourcen nicht mitgeliefert werden. Damit ein Produkt wirklich frei ist, muss seine Bauanleitung dabei oder problemlos erhältlich sein. Natürlich ist es (noch) Utopie zu hoffen, dass dies für alle Produkte passiert -- im Moment ist nicht daran zu denken, dass ich für jeden Pullover, den ich trage, das Strickmuster erhalten kann oder jeder Kuchen aus dem Supermarkt gleich mit dem Rezept zu seiner Herstellung kommt. Darum geht es auch gar nicht. Vielmehr hoffen wir, dass sich wenigstens im Bereich der Software und Information ein Paradigmenwechsel ergibt, der dazu führt, dass Autoren ihre Sourcen ganz selbstverständlich zum eigentlichen Produkt beilegen, weil es die Norm in der Gesellschaft geworden ist.

\subsection{Wissenschaft}

%mm: FIXME: (Natur-)?
In den (Natur-)Wissenschaften ist schon seit jeher das "`Open Source"'-Prinzip die alleinige Methode, Ergebnisse zu publizieren. Das Schlagwort heißt hier \emph{Peer-Review}: Damit Forschungsergebnisse allgemein anerkannt werden, müssen sie auch von anderen Wissenschaftlern nachvollziehbar sein. Wenn ich einen Artikel veröffentlichen sollte, der behauptet, dass ich eine funktionierende Zeitmaschine gebaut hätte, müsste ich eine detaillierte Beschreibung der zugrundelegenden Theorie, Bauteilelisten für die Maschine und eine exakte Beschreibung, wie die Maschine funktioniert, mitliefern -- ganz einfach aus dem Grund, dass mir keiner glauben wird, bis sie nicht selbst eine derartige Maschine nachgebaut und erfolgreich eingesetzt hätten. Das gilt natürlich nicht nur für eine -- zugegebenermaßen -- recht revolutionäre Entdeckung wie die angesprochene Maschine, sondern für jede wissenschaftliche Entdeckung/Theorie.

So ist es durchaus im Interesse des Wissenschaftlers, sämtliche "`Sourcen"' mitzuliefern, nur dadurch kann er schließlich sein Ziel der Anerkennung und Glaubwürdigkeit erreichen.

%codeverbesserung durch quelleneinsicht
%wissenschaft
%motivation der entwickler
%lohn der entwickler




