% Ingo Ruhnke
% Businessmodelle
% nachgesehen am 19.03.2002 von Marcel Martin, mmar@freenet.de
% Anmerkungen sind mit "%mm:" markiert
% kleinere Korrekturen (Syntax, Grammatik, \emph hinzugefügt, etc.) sind _nicht_ extra markiert

\section{Businessmodelle}

Ganz ohne Geld funktioniert Freie Software letztendlich auch nicht,
 irgendwer muss schließlich die Distributionen, die man am Ende im
 Laden kaufen kann zusammenpacken und damit auch Geld verdienen, damit
 sich das Ganze auch lohnt. Im Folgenden werde ich einen kleinen
 Überblick darüber geben, wie Firmen mit Freier Software Geld
 verdienen können und in welchen Bereichen das gut funktioniert und in
 welchen eher nicht. Die Distributoren sind nämlich nicht die einzigen,
 die mit Freier Software Geld verdienen.

\subsection{Distributoren}
Wie erwähnt sind die Distributoren die ersten, die ins Auge fallen,
 wenn es ums "`Geld machen"' mit Freier Software geht. Nun, was tun die
 Distributoren? In erster Linie bundeln sie die Software die frei im  %mm: evtl. besser "bündeln" ?
 Internet verfügbar ist, überdies hinaus schauen sie auch noch das %mm: "hinaus" kann weg
 die ganze gebundelte Software ordentlich zusammenarbeitet und patchen
 sie entsprechend, wenn das nicht der Fall ist. Neben den Paketen, also
 der fertig gepackten und gepatchten Software, schreiben die
 Distributoren aber auch selber Software, so schreiben sie z.\,B. Tools zum
 (halb)automatischen Installieren von GNU/Linux oder Tools zum
 verwalten desselben. Außerdem sind die meisten Distributoren auch
 erheblich an der Treiber-Entwicklung beteiligt, da sie letztendlich
 ein großes Interesse daran haben, dass die verkauften Distributionen
 auf allen Rechnern problemlos zum Laufen zu bringen sind und nicht
 etwa an einer nicht unterstützten Grafikkarte scheitern. Die
 Ergebnisse dieser Arbeit werden dann in der Regel als Freie Software
 veröffentlicht. Geld wird nun eingenommen, indem die Distributionen
 verkauft werden, wie andere Software auch.

Neben dem Verkaufen haben die Distributionen aber auch noch eine
 andere, vermutlich deutlich ergiebigere, Einnahmequelle. Sie leisten
 nämlich Support für diverse Firmen und betreuen die dortigen
 GNU/Linux Installationen.

\subsection{Support}
Support ist letztendlich eine wichtige Dienstleistung, wenn es um
 Software geht und gerade hier bietet Freie Software eine gute
 Möglichkeit Geld zu machen. So können sich Firmen zum Beispiel um
 GNU/Linux Installationen kümmern oder selbige einrichten. Allerdings
 funktioniert das Ganze in der Regel nur ordentlich, wenn man schon auf
 fertiger Freier Software aufbaut. Neue Freie Software wird beim
 Support nicht, bzw. nur in kleinen Rahmen geschrieben, wie z.\,B Bugfixes
 und kleinere Features.
 Es wird beim Support also das Geld hauptsächlich durch eine
 Dienstleistung erbracht und nicht so sehr durch die Software.

\subsection{Kleine Unternehmen}
Eine ganz andere Art mit Freier Software Geld zu verdienen kann von
 kleineren Unternehmen, die Software herstellen, praktiziert werden.
 Firmen, die Spezialsoftware auf Anfrage erstellen, und nicht so sehr
 davon leben eine einzige Software millionenfach zu verkaufen, können
 durch Freie Software schlicht und ergreifend mehr Service bieten, bei
 gleichzeitiger Kosteneinsparung.
 Sie können nämlich einerseits auf vorhandene Freie Software aufbauen
 und so eventuell bessere Lösungen abliefern oder sie können dem
 Kunden die Freie Software als Vorteil verkaufen, da der Kunde nicht
 von der Firma, die die Software erstellt hat abhängig ist, sondern
 diese bei Bedarf jederzeit wechseln kann. Das Ganze kann vor allem
 funktionieren, da es sich um Spezialsoftware handelt die nur eine
 geringe Anzahl von möglichen Kunden hat, im Idealfall nur einen
 einzigen, nämlich den, der den Auftrag für diese Software gegeben hat.

\subsection{Subscription-Modell}
Ein ganz anderes Modell aus Freier Software Geld zu machen wird im
 Augenblick von Transgaming\footnote{http:///www.transgaming.com}
 versucht. Dort wird kein fertiges Produkt verkauft oder gar eines auf
 Auftrag hin erstellt, stattdessen wird dort versucht eine Emulation für
 DirectX zu schreiben, diese würde es möglich machen, dass viele
 herkömmliche Windows-Spiele direkt unter GNU/Linux laufen könnten. Es
 würde also letztendlich Windows für einen großen Anteil an
 Benutzern überflüssig machen, die heute noch Windows als Zweit-Betriebssystem
 für Spiele benutzen. GNU/Linux selbst ist nämlich
 für die Spiele-Produzenten als Markt nicht interessant genug, da die
 Verbreitung dafür noch nicht groß genug ist, bzw. da selbst viele
 GNU/Linux Benutzer immernoch ein Windows als Zweit-Betriebssystem
 haben. Die Software, die Transgaming herstellt, wäre also für eine
 breite Nutzerschicht, letztendlich alle PC-Spieler, interessant. Nun, wie funktioniert das
 Businessmodell nun? Das ist relativ einfach, man meldet sich bei
 Transgaming an und bezahlt einen monatlichen Beitrag von 5 Dollar.
 Für diesen Betrag bekommt man dann Zugriff auf vorkompilierte Pakete
 der Software und bekommt inbesondere ein Stimmrecht. Mit diesem
 Stimmrecht kann man dann darüber abstimmen, an welchem Problem als
 nächstes gearbeitet werden soll, hier also insbesondere die
 Kompatibilität zu einem bestimmten Spiel. Darüber hinaus bekommt man
 den Quellcode der Software auch ohne den Betrag bezahlt zu haben
 (dieser ist zwar im Moment \emph{keine} Freie Software, da er nicht
 kommerziell vertrieben werden darf, aber modifizieren desselben ist
 erlaubt), allerdings hat man dann kein Stimmrecht und muss sich den
 Source selber kompilieren. Wenn eine bestimmte Anzahl an Nutzern
 vorhanden ist, soll die Software auch komplett Freie Software werden,
 die augenblicklichen Beschränkungen dienen im Wesentlichen dazu
 erstmal die User an sich zu binden und eine Nutzerbasis aufzubauen.
 Die Chancen, dass das Ganze funktionieren wird, stehen nicht schlecht.
 Allerdings wurden bis jetzt noch keine Nutzerzahlen angegeben, das
 soll erst gegen Ende März 2002 passieren.
 Also weniger konkret gesprochen zahlen die Leute hier für die
 Arbeitskraft der Programmierer und weniger für ein fertiges Produkt,
 sie können so natürlich auch in gewisser Weise das fertige Produkt
 beeinflussen.

Im konkreten Fall könnte das Ganze funktionieren, da WineX ein großes
 Publikum anspricht und der Erfolg relativ gut sichtbar ist, da
 Zugriff auf den Sourcetree der Entwickler problemlos möglich ist. Die
 Frage ist nun, ob das auch für andere Software funktionieren könnte?
 Also dass User direkt an die Entwickler bezahlen, ohne Umweg über
 Distributoren, Publisher oder Ähnliches.
 Im Wesentlichen gibt es da noch ein Problem und das ist das Bezahlen.
 Fünf Dollar sind zwar nicht viel Geld, aber wenn man bedenkt, dass man
 vielleicht mehrere Projekte gleichzeitig unterstützen will ist das
 vielleicht zu viel, besonders da vielleicht nicht jedes Projekt so %mm: vielleicht ein bisschen viel "vielleicht"
 viel wert ist, vielleicht will man auch einfach nur jedem Projekt das
 man nutzt einen Dollar zukommen lassen oder Ähnliches. Kurz gesagt: Das
 Problem ist, dass noch kleinere Beträge im Moment nicht effektiv
 transportiert werden können, da die Gebühren viel zu hoch sind
 (Stichwort: Micropayment).

\subsection{Verzögerte Releases}

Eine weitere Möglichkeit mit Freier Software Geld zu machen besteht
 darin, die Software in den ersten ein oder zwei Jahren wie normale
 Software zu verkaufen und dann, wenn sie keinen Gewinn mehr abwirft,
 bzw. wenn eine neue Version rauskommt, die alte Software als Freie
 Software freizugeben. Somit hat derjenige, der warten kann, eine
 ordentliche und erprobte Freie Software und derjenige, der bereit ist, Geld
 abzugeben bekommt immer die neueste Version. Als Beispiel wäre hier
 Ghostscript\footnote{http://www.ghostscript.com} anzuführen, die mit
 GNU Ghostscript eine sehr wichtige Komponente für ein GNU/Linux
 System liefern, nämlich sozusagen den Druckertreiber, bzw. eigentlich sogar noch deutlich mehr als das. Bei Ghostscript
 ist die aktuelle Version immer kostenlos für private Nutzung und
 kostet Geld für kommerzielle Nutzung\footnote{http://www.ghostscript.com/pages/aladdin\_license.html}. Bei einer neuen Release wird
 dann jeweils die vorherige Version unter die GNU GPL gestellt. Als
 weiteres Beispiel wäre IDSoftware anzuführen, die ihre indizierten
 Spiele Doom und Quake mehrere Jahre nach dem Release, wenn sie
 komerziell uninteressant geworden sind, ebenfalls unter die GNU GPL
 stellen. Als Einschränkung wäre hier aber zu erwähnen, dass nur der
 Quellcode unter der GNU GPL steht, die Level und Grafiken muss man
 sich weiterhin durch den Kauf des Original-Spiels erwerben.

Es gibt noch eine Sonderform von verzögerten Releases, nämlich
 Software, die mit Source Code ausgeliefert wird, aber bestimmte
 Freiheiten einschränkt, in der Regel die, die modifizierten Quellen
 weiter zu verteilen oder bestimmte Änderungen vorzunehmen. In der
 Lizenz ist dann festgehalten, dass die Software unter eine Freie Lizenz
 fällt, sobald bestimmte Bedingungen nicht mehr erfüllt sind, meist
 etwa wenn die Firma bankrott geht oder sie die Software nicht mehr
 maintaint. Der Nachteil an solch einem Modell ist, das es nicht klar %mm: "maintaint" anderes Wort wäre besser
 ist wann und ob in absehbarer Zeit die Software überhaupt zu Freier
 Software wird, problematischerweise würde sie es am ehesten werden,
 wenn man die Software nicht benutzt und so mehr oder minder den
 Bankrott der Firma herbeiführt. Ein Beispiel für ein solches Modell
 wäre z.\,B. Bitkeeper\footnote{http://www.bitkeeper.com}.


\subsection{Fazit}

Businessmodelle, um direkt Freie Software profitabel zu erstellen, gibt es
 wenige, bzw. nur dann, wenn die daraus resultierende Software nur für
 sehr spezialisierte Anwendungszwecke gedacht ist und dementsprechend
 der Nutzerkreis klein ist, am besten ist wohl "`Software
 Produkt"':"`Nutzer"' im Verhältnis 1:1, denn dann kann die Freie %mm: verstehe nicht genau, was das heißen soll
 Software praktisch wie normale proprietäre Software verkauft werden.
 Freie Software funktioniert nunmal nicht wie normale proprietäre
 Software, wo man eine große Nutzerschaft dazu bringen kann ein
 einziges Produkt zu kaufen, da jeder, der das Produkt erwirbt, auch
 damit das Recht erwirbt es weiter zu verbreiten.

Es gibt allerdings diverse auch gut funktionierende Modelle
 Dienstleistung um Freie Software herum aufzubauen, wie man z.\,B. bei
 SuSE oder Red Hat sehen kann. Dabei springen auch sehr viele, meist
 kleinere, Freie Software Produkte heraus, die sind allerdings in der
 Regel nur ein Nebenprodukt und eben nicht etwas womit eine Firma
 große Gewinne machen kann. Es besteht hier also ein meist, aber nicht
 zwangsläufig, ausgewogenes Verhältnis zwischen Geben
 und Nehmen aus dem Pool der Freien Software.

Letztendlich zielt das Modell der Freien Software ja auch darauf hin ab,
 dem Nutzer einer Software alle Möglichkeiten zu geben, die auch der
 Distributor der Software hat, ein Abhängigskeitsverhältnis,
 Upgradezwang und Ähnliches wird somit im Keim erstickt und macht
 Freie Lizenzen für kommerzielle Software nicht besonders interessant.

