\section{Zukunft}
Wie sieht es mit der Zukunft von Freier Software aus? Wird sie
überleben, wird sie die Welt revolutionieren oder wird sie einfach
nur ein Nischendasein fristen?

Als erstes wäre anzumerken, dass Freie Software kein Werbe-Gag oder
Ähnliches einer großen Firma ist, der verschwindet, sobald selbige
keine Zeit mehr dafür hat. Freie Software ist im Wesentlichen
\emph{"`Community driven"'}, das heißt, Leute schreiben die Software, die sie
später auch tatsächlich benutzen wollen, verwalten sie selbst und
verteilen sie selbst. Es gibt zwar auch größere Firmen, die Freie
Software unterstützen, allerdings leisten diese nur einen kleinen
Beitrag, der größte Anteil kommt aus der Community.

Da Freie Software nicht zentral verwaltet oder erstellt wird, kann sie
auch nicht an einem Punkt angegriffen werden. Sie ist also gegen
singuläre Ereignisse relativ immun, wenn ein Entwickler ausfällt,
findet sich meist in kurzer Zeit ein neuer. Da Freie Software dem
Nutzer die Freiheit gibt, sie zu verändern, zu modifizieren und zu
verteilen besteht auch keine Abhängigkeit zwischen Kunde und
Produzent. Wenn dem Kunden etwas nicht gefällt, was der Produzent der
Software macht, steht es dem Kunden frei, die Software zu nehmen und
jemanden anders für die Weiterentwicklung zu bezahlen. Freie Software
kann weder aufgekauft werden, noch kann die Freiheit, die sie
bietet, nachträglich genommen werden. Software, die einmal frei war,
bleibt für immer frei.

Gibt es dennoch Gefahren für Freie Software? Die gibt es in der Tat,
das sind in der Regel Gesetzesänderungen oder Ähnliches, die nicht
nur einen oder ein paar Dutzend Entwickler betreffen, sondern gleich
einen Großteil. Da Freie Software zwar auch international eingesetzt
und entwickelt wird, ist auch diese Gefahr gedämpft, da sich häufig
ein Land mit anderen Gesetzen finden lassen würde, doch die Gefahr
ist immer noch sehr groß, da die Behinderung enorm wären. Als
Beispiel sei hier der DMCA (\emph{Digital Millenium Copyright Act})
der USA angesprochen, der     %mm: hier war ein \footnote{FIXME} drin
es verbietet Kopierschutzmaßnahmen und Ähnliches zu umgehen. Das
schließt nun aber leider auch zum Beispiel die Verschlüsselung von
DVDs ein, die im Wesentlichen kein Kopierschutz ist, sondern dafür
sorgt, dass die DVD nur auf lizensierten Playern, die den Region Code und
Ähnliches beachten, abgespielt werden kann. So ist es mit Freier
Software nicht möglich verschlüsselte DVDs anzuschauen, da die
Entschlüsselungs-Software, die dafür benötigt wird, bekannt unter dem Namen \emph{DeCSS}, unter den
DMCA fällt und damit verboten ist.


%mm: diesen Teil habe ich mal rausgenommen, das haben wir alles schon irgendwie behandelt
%Eine ähnliche wenn auch deutlich größere Gefahr stellen Software-Patente dar.
%Das Problem an Software-Patenten ist, dass sie nicht nur
%eine konkrete Implementation schützen, wie das durch das Urheberrecht
%gegeben ist, sondern Patente "`schützen"' eine generelle "`Idee"', also
%eine bestimmte Vorgehensweise ein Problem zu lösen. Und nicht nur das;
%durch Software-Patente könnten auch Dateiformate und ähnliches
%"`geschützt"' werden. Es würde also für Freie Software unmöglich
%werden, zumindestens in den Ländern in denen es Software-Patente
%gibt, Software zu produzieren, die kompatibel zu einer proprietären
%Software ist, die durch Software-Patente geschützt ist.

\subsection{Informationsgesellschaft}

Im Hinblick auf die so oft postulierte Informationsgesellschaft bliebe
es noch an der Reihe die Rolle der Freien Software hier zu betrachten.
Digitale Information ist letztendlich nur eine bestimmte Reihenfolge
von Bits, sie lässt sich verlustfrei kopieren, verteilen und
betrachten, ohne dass man dabei irgendwie eingeschränkt ist, wie das
bei materiellen Dingen der Fall war. Ob man
eine Kopie einer Information macht oder tausende, macht keinen großen
Unterschied, ganz im Gegensatz zu herkömmlichen materiellen Dingen,
wie einem Hammer oder einem Buch\footnote{
	Letztendlich enthält ein
	Buch natürlich auch nur Informationen, aber es gibt keine direkte
	Möglichkeit diese Information einfach auszulesen oder zu
	vervielfältigen.
} wo kein Kopieren ohne erheblichen Aufwand möglich ist.

Das Problem, das dabei nun zweifellos Auftritt, ist, dass die Information
an sich erstmal frei ist, was natürlich ganz gegen das Interesse des
Produzenten dieser Information ist, dieser will selbige in der Regel kontrollieren
können, um letztendlich dadurch Geld zu verdienen. Allerdings kann der
Produzent erstmal auch nichts Großartiges dagegen unternehmen.
Stattdessen müssen Copyright und Patente, die ursprünglich gar nicht
dafür gedacht waren, nun dafür herhalten, die freie Information zu
bändigen und deren Verteilen zu illegalisieren. Freie Software ist
letztendlich nur der Versuch, durch Lizenzen wie die GNU GPL diese
Urfreiheit von Information auch rechtlich zu festigen, zielt also
genau in die andere Richtung. Wie wird sich das alles in Zukunft
entwickeln? Und können Copyright und Patente einen Schutz gegen
"`Missbrauch"' von Informationen darstellen? Kurz gesagt, nein.
Information ist frei und wenn ich eine Information anschauen kann,
dann kann ich sie auch kopieren und, wenn nötig, digitalisieren und
wenn sie erstmal digitalisiert ist, kann man ihre Verbreitung nur
noch schwer kontrollieren. Besonders mit dem Aufkommen von
Peer-to-Peer-Netzwerken wie Napster und Gnutella zeigt sich auch, dass die
Kundschaft für "`Information"' recht groß ist, bzw. dass auch %mm: fehlt evtl. "die Anzahl"?
die Anzahl derjenigen, die Informationen zur Verfügung stellen, recht groß ist.
Durch das Copyright kann man dem Ganzen allerdings noch vergleichsweise
einfach ein Ende machen, zumindestens dann, wenn ein paar Gesetze zum
Schutz der Privatsphäre gelockert werden. Denn aktuelle Peer-to-Peer-Netzwerke
sind nicht anonym, das heißt spätestens der Internet-Provider kann 
an Hand der IP herausbekommen, wer welche Inhalte
runterlädt oder verteilt. Wenn also den "`Produzenten"' durch
entsprechende Gesetze ein Einblick auf die Daten der Provider gegeben
würde, wäre es mit dem heutigen Peer-to-Peer schnell zu Ende.

Allerdings ist die nächste Generation von Peer-to-Peer-Netzwerken schon
in Arbeit, diese läuft dann verschlüsselt und größenteils
anonymisiert ab. Peek-A-Booty\footnote{ \hrefn{http://www.peek-a-booty.org/}}
und Freenet\footnote{ \hrefn{http://freenetproject.org/}} sind hier wohl die
bekanntesten. Mit solchen anonymisierten Netzwerken besteht dann
selbst mit Einblick in die Providerdaten praktisch keine Möglichkeit
mehr rauszufinden, wer welche Inhalte zur Verfügung stellt oder runterlädt.
Man könnte so etwas letztendlich nur noch durch die
Illegalisierung von Verschlüsselung aushebeln und dann entsprechend
präventiv Bestrafung machen, wenn Verschlüsselung benutzt wird. Der %mm: "Bestrafung machen" hört sich komisch an
schon erwähnte DMCA geht schon in etwa in diese Richtung. Sachen wie
ein Zwangs-Digital-Rights-Management (DRM) könnten ebenfalls gegen
den freien Informationsaustausch vorgehen, wobei etwas wie DRM nur
funktionieren kann, wenn es in \emph{jedes} Gerät, das bei der
Datenübertragung eine Rolle spielt, eingebaut ist. Das heißt also, dass
so etwas nicht funktionieren wird, da man dazu erstmal überall neue
Hardware bräuchte und vor allem dafür sorgen müsste, dass nur noch
DRM-fähige Hardware auf den Markt kommt, was ohne Gesetzesänderung nicht
möglich sein wird. Außerdem würde eine solche praktisch zur
Illegalisierung sämtlicher heutiger Hard- und Software führen, was
nicht sehr realistisch scheint. Letztendlich kann alle Verschlüsselung
beim Copyright-Schutz nur wenig helfen, denn spätestens zu dem
Zeitpunkt, an dem der Kunde die Information betrachtet, liegt sie
unverschlüsselt vor und kann abgegriffen und kopiert werden.

Letztendlich sind Informationsgesellschaft und Urheberrecht also
zwei Dinge, die nicht so recht zusammenpassen und in Zukunft wird sich
das auch nicht ändern, da Information an sich frei ist. Freie
Software sorgt letztendlich zu einem Teil dafür, dass das auch so
bleibt, denn in Freier Software ist es praktisch unmöglich
Kopierschutzvorrichtungen oder Ähnliches unterzubringen, denn sie
ließen sich trivial aushebeln.
\autor{th/ir}
