% Ingo Ruhnke
% Bereiche, in denen freie Software eingesetzt wird
% nachgesehen am 19.03.2002 von Marcel Martin, mmar@freenet.de
% Anmerkungen gekennzeichnet durch "%mm:"
% kleinere Korrekturen (Grammatik, Layout, "\emph", Syntax, etc.) nicht gesondert gekennzeichnet

\section{Funktioniert Freie Software überall?}

Wenn man so Freie Software betrachtet und schaut, was eine normale
 GNU/\-Linux Distribution alles leisten kann, stellt sich die Frage, ob
 sich dieses funktionierende "`Konzept"' auf alle Bereiche der Software
 ausweiten lässt. Der folgende Abschnitt wird mehrere Bereiche von
 Software beleuchten und Prognosen aufstellen, wie sich Freie Software
 dort verhalten und entwickeln wird.

\subsection{Office, E-Mail und Co.}

Für den Otto Normal-PC-Benutzer ist zum Arbeiten im Wesentlichen eine
 Textverarbeitung, eine Tabellenkalkulation, ein Internetbrowser,
 ein E-Mail-Programm und noch ein Grafikprogramm wichtig, zumindest wenn man mal danach
 geht, was bei einem normalen PC so alles vorinstalliert ist. Wenn man
 eine GNU/Linux-Distribution heute betrachtet, stellt man schnell fest,
 dass die wesentlichen Bedürfnisse schon recht gut abgedeckt sind. Es
 gibt mit StarOffice eine komplette Office-Suite, die zwar Closed-Source
 ist, aber deren Nachfolger Open~Office unter der GNU GPL steht und damit Freie Software ist.
 Wenn
 Open Office also in ein paar Monaten veröffentlicht wird, steht eine freie
 Office Suite zur Verfügung. Daneben gibt es alternativ noch \LaTeX, \emph{KOffice},
 \emph{Abiword} und \emph{Gnumeric}, die ebenfalls die Office-Bedürfnisse des Nutzers
 bedienen könnnen. Bei E-Mail sieht es prinzipiell ähnlich aus, es
 gibt diverse freie E-Mail-Clients, wie \emph{KMail}, \emph{mutt} und \emph{Evolution}. Als
 Internet-Browser stehen mit \emph{Konqueror} und \emph{Mozilla} zwei freie
 Alternativen zu dem Microsoft Internet Explorer zur Verfügung.
 Ebenso sieht es bei der Grafikbearbeitung aus, hier steht mit
 Gimp\footnote{ \hrefn{http://www.gimp.org/}} eine leistungsfähige Alternative
 zu Adobe Photoshop zur Verfügung.

Im Heimbereich ist also die Basisversorgung durch Freie Software
 gegeben, wenn auch manche der Office-Programme noch relativ jung
 sind. Probleme dürften hier teilweise aber noch Finanzverwaltungs-Software
 und Ähnliches sein, aber auch hier gibt es mit \emph{GnuCash} eine
 freie Alternative.

\subsection{Server-Software}

Im Gegensatz zu Office-Software, bei der die Freie Software der
 kommerziellen noch ein klein bisschen hinterherhinkt, ist das bei Web-Server-Software
 eher genau umgekehrt. Der Apache, der der weltweit
 meist genutzte Webserver ist (s. Abb. \ref{fig:netcraft}, S. \pageref{fig:netcraft}),
 war schon immer Freie Software. PHP, Zope und ähnliche fürs Web gemachte Skriptsprachen
 sind ebenfalls Freie Software. Ähnlich sieht es im Bereich von
 Mail-Servern aus, mit Sendmail, Postfix und Exim steht hier
 hinreichend viel und vor allem auch viel eingesetzte Freie Software
 zur Verfügung. Proprietäre Software hinkt hier teilweise hinterher,
 nicht zuletzt weil im Bereich des Internets Freie Software und offene
 Standards schon immer eine antreibende Kraft waren.
%ingo: RFCs und so sind gemeint, weiss jetzt nicht wie man das besser ausdruecken kann.

\subsection{High-End-Software}

Mit High-End-Software ist Software gemeint, die %ingo: [FIXME: Blöder Name, weiss wer was besseres?]
 nicht für den Privatkunden gemeint ist, sondern vor allem, bzw. nur,
 im \emph{Business-to-Business}-Bereich genutzt wird. Als Beispiel
 wären hier 3D-Software-Tools wie \emph{Maya} oder \emph{Lightwave} anzuführen,
 wie sie in diversen Filmproduktionen genutzt werden. In diesem
 Bereich hat Freie Software in der Regel kaum etwas zu bieten, da hier
 schlichtweg nur geringer Bedarf beim Privatkunden herrscht solche
 Software einzusetzen, bzw. für einen einzigen Programmierer ist
 solche Software kaum zu entwickeln. Für Firmen besteht ebenso wenig
 Anreiz solche Produkte als Open Source freizugeben. Es ist also
 nicht davon auszugehen, dass sich daran in nächster Zukunft etwas
 ändern wird, letztendlich weil der Bedarf einfach nicht da ist.
 Allerdings sollte auch erwähnt werden, dass Freie Software im
 Filmbereich durchaus eine Rolle spielt, zwar nicht so sehr auf dem
 Schreibtisch, sondern eher im Serverraum, wo oft einige dutzend oder
 hundert Linuxrechner für das Berechnen von Computeranimationen benutzt
 werden, so geschehen zum Beispiel für Titanic (\cite{titanic})
 oder Final Fantasy.

\subsection{Spiele}

Spiele sind letztendlich ein weiterer wichtiger Teil an Software, die der
 Otto Normalbenutzer gerne hätte, im Gegensatz zu Office-Software gibt
 es hier bei Freier Software aber keine großartigen Alternativen zu
 proprietären Spielen. Woran liegt das? Im Wesentlichen liegt es wohl
 daran, dass Freie Software dort erfolgreich ist, wo es um langlebige
 Software geht, also Software, die noch in zwei oder fünf Jahren
 nützlich ist. Bei Spielen ist das anders, Spiele sind im Wesentlichen
 \emph{Wegwerfprodukte}, das heißt in zwei Jahren interessiert sich %mm: Satzbau, evtl. "das heißt: In..."
 kaum noch einer für ein Spiel von heute. Außerdem stellt ein Spiel
 eine recht hohe Anforderung nicht nur an die Programmierer, sondern
 auch vor allem an die Künstler, denn ein Spiel besteht zu großen Teilen aus Grafik und Sound,
 Programmcode spielt oft nur eine Nebenrolle, wenn auch diese ziemlich groß ist.
 Ein durchschnittliches Spiel hat nämlich etwa 250~000 oder mehr Zeilen Code
 und kann damit problemlos mit den größeren freien Software-Projekten
 mithalten (Apache, Gimp und Co.).

Bei Spielen hat Freie Software des Weiteren noch das Problem, dass
 Spiele in der Regel von geschlossenen Teams entwickelt werden, was
 auch nötig ist, um Konsistenz in das Spieldesign zu bringen, dass Freie
 Software in der Regel verteilt enwickelt wird, verkompliziert die Sache noch
 zusätzlich.

Des Weiteren mangelt es im Bereich der Freien Software auch noch an
 wichtigen Tools, die für die Entwicklung von modernen 3D-Spielen
 nötig sind, im Wesentlichen sind das Tools zur Modellierung von
 3D-Modellen. Hier könnten eventuell \emph{Blender}, das jetzt nach dem Bankrott
 von \emph{NaN}\footnote{ \hrefn{http://www.blender3d.com/}} eventuell Freie Software wird, oder
 PrettyPolyEdit\footnote{ \hrefn{http://prettypoly.sourceforge.net/}} eine Alternative werden,
 aber bis diese Programme mit den kommerziellen mithalten können wird noch einiges an Zeit vergehen.

Aber es besteht zumindestens in einigen Bereichen Hoffnung, dass Freie
 Software eine Alternative werden kann. Als Beispiel wären hier die
 Massive Multiplayer Online RPG (kurz MMORPG) zu erwähnen. Deren
 Entwicklungsmodell scheint deutlich näher an Freier Software zu sein,
 als das bei herkömmlichen Spielen der Fall ist. Vor allem sind MMORPGs
 keine Wegwerfprodukte, sondern bieten über einen längeren Zeitraum eine
 immer größer werdende und erweiterbare Spielewelt. Das
 WorldForge\footnote{ \hrefn{http://www.worldforge.net/}} bietet solch eine Plattform, auf der
 zukünftige MMORPGs entstehen könnten.

Ein weiterer Punkt, in dem Freie Software eine Rolle spielen könnte, ist
 nicht so sehr bei den Spielen selbst, sondern bei den
 darunterliegenden Libraries und Engines. Engines und Libraries sind
 letztendlich der Teil eines Spiel, der nicht nach dem Release
 weggeworfen wird, sondern eventuell in weiteren Spielen verwendet
 werden kann. Hier könnten freie Engines also in der Tat für einige
 Firmen zu einer Alternative werden. Wobei allerdings auch eine Engine
 in der Regel nicht viel länger als zwei Jahre hält, danach ist sie
 veraltet und würde von der Hardware im Grunde überholt. Game
 Libraries halten in der Regel aber noch ein gutes Stück länger, da
 sie weniger auf eine konkrete Hardware zugeschnitten sind. Als
 Beispiele von freien Game-SDKs wären hier
 \emph{CrystalSpace}\footnote{ \hrefn{http://crystal.sourceforge.net/}},
 \emph{ClanLib}\footnote{ \hrefn{http://www.clanlib.org/}},
 \emph{SDL}\footnote{ \hrefn{http://www.libsdl.org/}} und
 \emph{plib}\footnote{ \hrefn{http://plib.sourceforge.net/}} anzuführen, die
 auch teilweise schon in kommerziellen Produkten genutzt werden.

Eine weitere Thematik im Bereich der Spiele, die eine Hoffnung für
 Freie Software sein könnte, ist das Mod-Development. Damit bezeichnet
 man Modifikationen zu fertigen Spielen. Zum Beispiel neue Waffen,
 Models oder Levels für einen Ego-Shooter, neue Flugzeugtypen für
 einen Flugsimulator oder Ähnliches. In den letzten Jahren hat sich
 die Mod-Szene enorm vergrößert und bei neueren Spielen wird
 inzwischen auch sehr viel Wert darauf gelegt, dass sie relativ leicht zu
 modifizieren sind. Die Mods werden dabei von kleinen, freiwilligen
 Teams zusammengebastelt und kostenlos verteilt. Die Entwicklung
 geschieht also in der Regel ähnlich wie bei Freier Software, ohne dass
 zwangsläufig kommerzielles Interesse dahinterstehen muss. %ingo: [FIXME:  CounterStrike..]

So gesehen heißt also der Mangel, der im Augenblick
 an Freien Spielen herrscht, nicht zwangsläufig, dass es nie welche geben
 wird, tätsächlich zeigt er eher, dass Freie Software in diesem Bereich
 noch nicht besonders weit gekommen ist und sich nötige Veränderungen
 erst in den letzten Jahren ergeben haben, wie z.\,B. Unterstützung für
 3D-Grafikkarten und 3D-Editoren, die zwingende Voraussetzungen für
 Spiele sind. Es dürften also vermutlich mit der Zeit auch ein paar
 freie Spiele zustande kommen, aber das hängt wohl nicht zuletzt von
 den Nutzerzahlen von Freier Software ab, denn
 momentan benutzen die meisten potentiellen Spieleentwickler wohl noch
 Windows, da GNU/Linux für sie sowohl aus Entwickler- also auch aus
 Spielersicht noch nicht interessant genug ist.
 Es herrscht hier also ein Henne-Ei Problem: Ohne Spieler kommen keine
 Entwickler und ohne Entwickler kommen keine Spieler zu GNU/Linux.
\autor{ir}


